Kollege, Ende 50. Gepflegt. Jeden Tag andere exklusive Schuhe. Aber dann steigt er in einen uralten Skoda, der aussieht, als hĂ€tte er die besten Jahre lange hinter sich. In der Kantine fragt er oft nach Resten. Nicht auf eine geizige Art. Eher so, als mĂŒsste man schauen, wo man bleibt. Vor ein paar Tagen hat er mir erzĂ€hlt, dass seine Frau manisch-depressiv ist. In den manischen Phasen laufen die Kreditkarten heiĂ. Amazon, Zalando und Co. Mehrere tausend Euro in kurzer Zeit. Und plötzlich ergibt dieses seltsame Gesamtbild Sinn: die Schuhe. das Restessen. das alte Auto. Vielleicht sind die Schuhe sein letzter Versuch, nach auĂen noch Haltung zu bewahren, wĂ€hrend zuhause finanziell vieles entgleist ist. Ich sehe solche Geschichten inzwischen hĂ€ufiger: Menschen, die Ă€uĂerlich völlig normal wirken. Ordentlich gekleidet, freundlich, funktionierend. Und im Hintergrund lĂ€uft eine Dauerschleife aus psychischem Druck, Konsum, Schulden und Erschöpfung. Vielleicht verstĂ€rkt unsere Zeit solche Entwicklungen zusĂ€tzlich: stĂ€ndiger Vergleich, stĂ€ndiger Konsumdruck, stĂ€ndige finanzielle Unsicherheit. Zufall? Oder lĂ€ngst ein Muster unserer Zeit? Schreib mir, was du denkst. Fiatphoenix âïž